aber

Nummer 52 in der Wikipedia-LIste der 100 häufigsten deutschen Wörter. Im Büro für überflüssige Worte, zählt es zu den häufigsten als überflüssig abgestempelten Wörtern.
In Zeiten, in denen wieder klare Haltung gefragt ist, gilt “aber” als  uneindeutig und relativierendes Gummiwort. Mit “aber” kann jede Aussage wieder zurückgenommen oder in ihr Gegenteil verkehrt werden. Gleichzeitig ist es möglich, mit “aber” vorangegangene Relativierungen aufzuheben.  “ich bin ja kein Nazi, aber….”. Ja, ich fand den Anschlag scheiße, aber die waren auch selbst schuld”. So gesehen, ist “aber” ein schreckliches “Gummiwort”, mit dem wir uns immer wieder aus der Verantwortung stehlen.

Im Verkaufstraining ist die “ja, aber” Methode bekannt, mit der Verkäufer Kundenskepsis begegnen sollen, in dem sie ihnen vordergründig recht geben, ihnen dann aber dennoch die Vorteile ihres Produkts nahebringen.
In Kommunikationstrainings gelten Ja, aber Typen als nervige Bedenkenträger, die jeden konstruktiven Vorschlag sabotieren.

Und wer kennt diese Typen nicht: “Ich bin ja kein Nazi, aber mit dem “Schuldkult” muß endlich Schluß sein”. Oder, “ich bin ja kein Rassist, aber Ausländer sollten doch lieber im Ausland bleiben”.

Oft nehmen wir nicht nur “ja, aber”-Bedenkenträger als Blockade wahr, sondern schon das “aber” allein. Ich möchte einwenden: Wenn wir das “aber” abschaffen, schaffen wir damit nicht auch die Möglichkeit zu differenziertem Denken ab, die ruhige Abwägung zwischen Einerseits und Andererseits? Übermalen wir nicht die üblichen Grautöne und Zwischentöne unserer Existenz mit einer Eindeutigkeit, die im schlimmsten Falle erbarmungslos aggressiv sein kann. Ein klassisches Argumentieren ist ohne “aber” nicht möglich.

Aber ist zudem ein sehr altes Wörtchen, das auf alt- und mittelhochdeutsche Wurzeln zurück geht. Ursprünglich bezeichnete es eine Wiederholung – heute noch im Wort “Abermals” oder “Abertausend” zu finden. Als Konjunktion steht es im Sinn von “jedoch, dagegen” für die Einschränkung oder das Gegenteil des zuvor Gesagten.

Im Substantivierten “Aberglauben” und “Aberwitz” steht die negative Verkehrung in das Gegenteil im Vordergrund. Aberglaube als Gegenteil von Glauben und Aberwitz als Gegenteil von Witz (im Sinne von Klugheit)